Typographie

Text ist zum lesen da

Typographie, das ist laut Wörterbuch die „Gestaltung von Druckerzeugnissen nach ästhetischen Gesichtspunkten“. Über Ästhetik als solche werde ich hier wenig sagen können; aber es gibt ein paar gestalterische Grundsätze, die man beachten sollte.

Im übrigen gilt, was der Schriftdesigner Otl Aicher geschrieben hat: „Wenn Typographie eine Kunst ist, dann nur die, sich in den Leser hineinzuversetzen und ihm einen Text so wenig aufdringlich wie möglich, so angenehm wie möglich zu offerieren.... Das Auge reagiert extrem empfindlich auf das Leseangebot. Nicht wohlwollend angebotene Texte werden in der Regel nicht angenommen.

Das typographische Maßsystem

Der Pariser Schriftgießer Didot entwickelte Mitte des 18. Jahrhunderts ein typographisches Maßsystem, das alle Stürme der metrischen Normung bis heute überstanden hat. Wir sprechen noch immer von Punkt, wenn wir den Schrift-grad angeben (1 Punkt = 0,376 mm; 12 Punkt = 1 Cicero = 4,513 mm).

Um die Verwirrung vollständig zu machen, geben die meisten DTP-Programme den Schriftgrad in Point an und meinen Pica, das im englischen und amerikanischen Raum gebräuchliche typographische Maßsystem (1 Point = 0,351 mm; 12 Point = 4,218 mm, also eine Spur kleiner!). Das ist besonders zu beachten, wenn Sie leichtfertig einen Schriftgrad angeben: Sagen Sie, ob Sie Didot oder Pica meinen!

Der Schriftgrad bezog sich einst in der „Bleizeit“ auf den sogenannten Kegel der „Bleiletter“ auf den der Buchstabe aufgegossen war Mit der Digitalisierung gibt es diesen Kegel nicht mehr, allerdings wird der Schrift grad nach wie vor danach bestimmt: von der Ober- zur Unterlänge.

Wenn Sie mit einem Typometer den Schriftgrad feststellen wollen, müssen Sie mit einer speziellen, darauf befindlichen Skala die Versalhöhe (Großbuchstabe) messen, am besten ein E, H, T oder ähnliches.

In den guten alten Zeiten des Bleisatzes hatten die einzelnen Schriftgrade so herrliche Namen wie Nonpareille (6 Punkt), Petit (8 Punkt), Garmond (10 Punkt), Cicero (12 Punkt), Mittel (14 Punkt), Tertia (16 Punkt), Text (20 Punkt) und so weiter. Cicero zum Beispiel kam zu der Ehre, dass sein Name für eine typographische Maßeinheit steht, weil die ersten Drucke seiner Reden – angeblich! – in 12 Punkt-Schrift gesetzt waren.

Was wofür?

Welcher Schriftgrad für welche Art von Texten?

Dass ein zu kleiner Schriftgrad die Lesbarkeit nicht gerade fördert, ist klar. Aber auch zu große Schrift kann, zum Beispiel in einem Buch, dazu führen, dass der Text nicht mehr bequem lesbar ist.

Daher ist es nicht ratsam, einen kurzen Text mit Gewalt auf einen bestimmten, zu großen Umfang aufzublasen. Der umgekehrte Weg – viel Text auf wenigen Seiten unterzubringen – ist ebenso verwerflich.

Nutzschriften:
6 bis 9 Punkt Didot

Für Konsultativtexte Fußnoten, Anmerkungen, Legenden, Literaturverzeichnisse, Register, Tabellen etc.

Leseschriften:
9 bis 12 Punkt Didot

Für Lesetexte: Bücher, Berichte, Briefe, Zeitungen, Zeitschriften, Schriftsätze aller Art

Titelschriften:
ab 12 Punkt Didot

Für Überschriften, Zwischenüberschriften, Schlagzeilen, Headlines etc.
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